Das Bodan-Projekt – eine besondere Böschungssanierung und ein Natur- und Obstgarten in Überlingen am Bodensee

Kurzporträt

Kontakt & Adresse: Bodan GmbH – Großhandel für Naturkost, Zum Degenhardt 26, D – 88662 Überlingen
Besichtigung auf Anfrage möglich: Ja! Für Interessenten und zukünftige Kunden und Projektpartner sowie für Fachleute, nach Terminabsprache und in meiner Begleitung jederzeit auch kurzfristig möglich.
Aufgabenstellungen:
Part 1:
Naturnahe, ökologisch wertvolle und fachtechnisch korrekte Böschungs- sanierung, 2013
Part 2: Ein Naturgarten als Obst- und Naschgarten mit Feuerstelle und Grillplatz für die Mitarbeiter von Bodan, 2016
Part 3: Vogelschutzhecke (Autochthone Vogelschutz- und Vogelnährgehölze), 2015
Part 4: Ansaat diverser kleinerer Nebenflächen im Parkplatz- und LKW-Rangierbereich, 2012
Projekt: Böschungssanierung in einem Gewerbegebiet der Stadt Überlingen, Obstgarten für die Mitarbeiter eines Logistikunternehmens für ökologische Produkte Baujahr: Planung und Umsetzung 2012 bis 2016
Größe: Böschung etwa 5000 m2, Obstgarten etwa 1000 m2, Vogelschutzhecke integriert
Wildpflanzen: Zu den Spenderflächen gehörten eine magere Salbei-Glatthaferwiese mit Wiesen-Salbei, Echter Schlüsselblume, Zittergras und Mittlerem Wegerich und ein mit 200 bis 300 Arten extrem artenreicher Magerrasen (Orchideenwiese), der durch sein Gefälle ähnlich steil ist und somit auch ähnliche Anforderun- gen an die Pflanzengemeinschaft stellt. Sogar seltene Arten wie Enziane und Orchideen waren auf diesen Spenderflächen vertreten.
Pflanzplanung: Böschungsansaat als Rohbodenbegrünung im Heudrusch- Verfahren, Engelhardt-Ökologie, www.heudrusch.de, Joe Engelhardt (Gangkofen), Obstgehölze aus Sortenerhaltungsprogramm Baumschule Teuchert (Deggenhausertal). Heckenpflanzen, autochthon, Baumschule Scheerer (Bad Waldsee). Wildstauden soweit möglich Bioland-Gärtnerei Strickler (Alzey)
Wildblumen-­Saatgut für Garten: Hof-Berggarten (Herrischried), Syringa (Hilzingen) und Rieger-Hofmann (Blaufelden)
Besondere Merkmale: Absolut autochthone Ansaat (gebietsheimischer Arten) mit Heudrusch einer Orchideenwiese im Deggenhausertal
Zertifiziert: Ja

Maria Stark
Naturgartenplanerin und Landschaftsökologin
Planungsbüro für ökologische Grünraumkonzepte
Bombenbreite 32
D – 88693 Deggenhausertal
Festnetz: 07555 927265
Mobil: 0151 41904250
E-Mail: info@naturgartenplanerin.bio
Homepage: www.naturgartenplanerin.bio
Facebook: www.facebook.com/naturnahe-gaerten
Fachbetrieb für Naturnahes Grün – Empfohlen von Bioland

Part 1: Mehr als ein halber Hektar Wiesen-Biotop – ein Heudrusch-Projekt!
Im Rahmen des Projekts „Naturnahes Firmengelände für die Firma Bodan“, ein Teilprojekt von „Unternehmen für biologische Vielfalt am Bodensee“
Einführung: Mein Projekt bei der Firma Bodan besteht eigentlich aus mehreren völlig unabhängigen Teilbereichen, die allerdings räumlich teilweise aneinander anschließen. Der erste Part und für mich wichtigste Teil ist eine Böschungssanierung.
Als ich an einem düsteren Oktobertag im Herbst 2012 das erste Mal das Bodan-Firmengelände betrat, bin ich fast ein wenig erschrocken. Um das gesamte Gewerbegebiet „Zum Degenhardt“ optisch geschickt in der Landschaft verschwinden lassen zu können, war die riesige, durch einen tie- fen Einschnitt in das natürlich gewachsene Gelände entstandene und das Firmenareal des Logistikunternehmens säumende Böschung nicht nur insgesamt sehr hoch und massiv wirkend, sondern viel zu steil und ohne gezielte Hangwasserführung durch Bermen angelegt worden.
Der Gesamtzustand der „begrünten“ Böschung war entsprechend marode. Auf- getragener Oberboden, der keine Chance hat, je wieder Verbindung mit dem lößlehmhaltigen Untergrund einzugehen, rutschte in Massen auf die Fahrspuren der LKW-Ausfahrt des Logistikunternehmens zu und nahm alles an Bewuchs mit, was eigentlich der Hangbefestigung dienen sollte. Selbst Gehölze waren inzwischen entwurzelt worden und an der Oberkan- te der Böschung hing eine dicke Abriss- kante der angrenzenden Weidefläche über. Mit Weichholz-Rundhölzern und Drahtbespannung hatte man die Rutschungen abbremsen wollen – vergebens! Angesichts der Dunkelheit des Herbsttages und der Aneinanderreihung diverser Baufehler im Steilhang fragte ich mich kurz, ob ich nicht lieber auf dem Absatz wieder kehrt machen sollte.
Ich entschied vorerst zu bleiben und die Runde der Herren unterschiedlicher Unternehmen (Generalunternehmer, Land- schaftsarchitekt, mehrere Vertreter von Naturschutzorganisationen, Stadtverwaltung Überlingen und die Geschäftsführung von Bodan selbst) zunächst einmal anzuhören. Glücklicherweise kannte ich die weiteren Hintergründe und die vorausgegangene Historie zu der Baustelle zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Am Ende der Gesprächsrunde stellte ich dennoch eine Bedingung: Die Sanierung der Begrünung des Steilhangs erfolgt als Rohbodenbegrünung oder wahlweise ohne mich!
Die Geschäftsführung konnte meinen Ausführungen folgen und ließ sich auf meinen Vorschlag ein. Die Krux: Die Humusierung, der in großen Mengen vorhandene Oberboden musste wieder abgetragen, korrekt zwischengelagert und nach und nach einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden. Gar nicht so einfach und vor allen Dingen ein sehr langwieriger Prozess. Das Resultat dieser Entscheidung kann sich sehen lassen – aber lassen Sie mich vorne anfangen …

Rohbodenbegrünung im Heudruschverfahren mit gebietsheimischem Wildpflanzensaatgut
Im Rahmen der notwendigen Böschungssanierung für die Firma Bodan entschied ich mich bei der Planung und Gestaltung an Stelle einer Oberbodenabdeckung für eine Rohbodenbegrünung der trockenen Böschung im Heudruschverfahren. Bei dieser Entscheidung spielten nicht nur ökologische Kriterien, sondern auch die höchst anspruchsvollen bautechnischen Gegebenheiten eine Rolle: Einerseits handelte es sich um einen stark erosionsgefährdeten Steilhang, der auch nach längerem Regen stets extrem schnell abtrocknet, andererseits gibt es hier durchaus sickernasse Stellen auf einem für Frostrutschungen anfälligem lößlehmhaltigen Boden.
Trocken- und Magerstandorte sind in Mitteleuropa die artenreichsten natürlichen Biotopflächen. Die verschiedenen Typen der Magerrasen bzw. mageren Wiesen sind besonders in Deutschland allesamt stark bedroht. Die hohe Artenvielfalt verschiedener Wildblumen auf dergleichen Biotopflächen bildet die unverzichtbare Lebensgrundlage für eine Vielzahl von Insekten, Eidechsen, Fledermäusen und Vögeln.
Die Entwicklung von Trocken- und Magerstandorten ist durch die extremen Bedingungen stark verlangsamt, der natürliche Sukzessionsprozess verläuft wie in Zeitlupe. Dies erfordert Pflanz- , bzw. Ansaatplanung auf höchstem ökologischem Niveau, hier in Form einer Art „Wiesentransplantation“: Zu diesem Zweck wurden mehrere artenreiche Wiesen und Halbtrockenrasen in der nahen Umgebung (etwa Umkreis 20 – 30 km) als Spenderflächen genutzt. Sie wurden mehrfach zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Samenreife einzelner Arten gemäht. Die Samen der Wildblumen wurden damit für die Übertragung geerntet, getrocknet und vor Ort wieder ausgebracht.
Der Vorteil des Heudruschs gegenüber handelsüblichen Wildblumen-Saatgutmischungen ist, dass mit der Mischung aus den unterschiedlichsten Wildblumensamen auch Spreuanteile, Pilzsporen, Moose und sogar Mikroorganismen (Diasporen) übertragen werden. Mit einer solchen Mischung sät man nicht nur eine Wildblumenwiese an, sondern startet eine neue Biozönose, also eine komplette Lebensgemeinschaft. Dies hat enorme ökologische Vorteile. Joe Engelhardt hat diese aufwändige Methode entwickelt. Es ist ihm auf diese Art und Weise schon häufiger gelungen, selten gewordene Arten auf einen neuen Standort zu „transplantieren“.
Es geht aber nicht nur um die seltenen und die besonders attraktiven Arten. Mittlerweile sind deutschlandweit auch die früher gewöhnlichen, ursprünglich weit verbreiteten Arten bedroht. Und gerade auch mit den gewöhnlichen Arten verschwindet mit rasanter Geschwindigkeit die gesamte biologische Vielfalt aus unserer Umwelt. Eine Begrünung wie bei Bodan ist somit ein echter Beitrag, die biologische Vielfalt der Region zu erhalten.
An steilen Böschungen leisten Magerrasenarten aber auch technisch betrachtet wertvolle Dienste: Ihre Wurzelmasse ist um ein vielfaches höher als die oberirdische Blattmasse. Und das hält den Boden der Böschungen und schützt vor zu star- ker Erosion. Durch die artenreiche Wiese, die sich hier bei der Firma jetzt ungestört entwickeln darf, wird der komplette Hang langfristig gesichert, denn: Je artenreicher die Vegetation, desto vielfältiger das Wurzelbild und desto sicherer die Böschung! Gleichzeitig verbleiben in Magerrasen oft auch offene Bodenflächen. Diese dienen der Artengemeinschaft selbst um sich durch Aussaat immer wieder verjüngen zu kön- nen und bieten außerdem den vielen bo- dennistenden Wildbienenarten wertvollen Lebensraum. Denn von den in Süddeutschland lebenden 600 Wildbienenarten ist die große Mehrheit, nämlich etwa zwei Drittel, bodennistend. Ihnen nutzen unsere gut gemeinten Wildbienen-Nisthilfen gar nichts. Sie sind abhängig von einer Landschaft mit offenen Böden, Trampelpfaden auf Lehmböden, unbewachsenen Stellen eines Gemischs aus Lehm und Sand. Auch Schmetterlinge lieben diesen Lebensraum, sie finden die für sie wichtigen Mineralien, die sie mit ihrem Rüssel dem durch Morgentau oder Regen angefeuchteten Lehm entneh- men. Eine Vielzahl bunt blühender Wildblumen kann sich hier in Ruhe etablieren und Dank der offen bleibenden Bodenstellen immer wieder neu versamen und auf diese Weise den Bestand verjüngen.
Was früher selbstverständlicher, völlig unbeachteter Teil unserer Kulturlandschaft war, ist am Schwinden… und mit dem Schwinden von Strukturen, von einer gewissen „Unordnung“ beispielsweise NICHT angelegter, NICHT ordentlich gepflasterter Wege und Hofstellen, werden unsere kleinen unscheinbaren Mitbewohner lautlos und fast unbemerkt schwinden…

Die ökologische Böschungssanierung in ihren Einzelschritten

  • Entfernung von Bewuchs und Oberboden auf der gesamten Fläche
  • Abflachung der Böschung
  • Einarbeiten von Bermen Schotter zur gezielten Wasserableitung im Hang
  • Ernte von Wildblumensamen auf Spenderflächen für den Heudrusch
  • Rohbodenbegrünung durch Mahdgutübertragung, bzw. Ansaat der steilen Böschung mit autochthonem (gebietsheimischem) Heudrusch im Spätherbst 2013
  • Erstellung Heudruschpass mit Artenliste
  • Pflegebegleitung und Monitoring

Part 2 und 3: Ein Obst- und Naschgarten mit Feuerstelle bzw. Grillplatz
Um den Mitarbeitern des Logistikunterneh- mens eine Möglichkeit zum Zusammen- kommen im Freien zu schaffen, wurde ich gebeten, auf einem verbliebenen „Zipfel“ des Grundstücks einen „Gartenraum“ zu planen, der es möglich macht, auch mal gemeinsam mit ihren Kindern beispielsweise ein kleines Erntedankfest zu feiern. Meine Idee dafür war, auf dem schmalen, oben liegenden Geländerest einen Obst- und Naschgarten mit Feuerstelle und Sitzmöglichkeiten zu schaffen. Da dieses spitz zulaufende Dreieck eher zugig liegt, sollen Beerensträucher wie Josta- und Johannis- beeren sowie Zwerg-Felsenbirnen als Windschutz den Platz spiralartig einrahmen. Auch in diesem Garten bestehen alle Stau- denpflanzungen ausschließlich aus gebietsheimischen Wildarten. Gesäumt wird der Gartenraum von einem Kastanien-Staketenzaun „Dolomiti“ mit unterschiedlich hoher Lattung, daran Alpen-Clematis und Platterbsen, ergänzt durch Hochstauden wie Alant und Königskerzen. Da mein Liebling Elsbeere als Hochstamm nicht mehr lieferbar war, wachsen heute Richtung Parkplatz zwei Ebereschen. Ein Speierling dazu an der Grundstücksecke macht sich schick. Als Obstbäume, um den heimeligen Charakter einer Streuobstwiese aus dem spitzwinkligen Dreieck heraus zu kitzeln, wählte ich aus dem Sortenerhaltungsprogramm unter anderen Haux-Apfel, Berner Rosenapfel und Gelber Gravensteiner sowie die Schweizer Wasserbirne, wie sie traditionell in der Region immer schon vorkamen. Diese Reihe Streuobst geht an ihrem Ende in die Vogelschutzhecke über, die in das obere Drittel der sanierten Böschung mündet und bis in deren Biegung reicht. Eigentlich haben wir seit Beginn des gesamten Projekts bei Bodan am Bodensee ausschließlich überraschend trockene Winter und Sommer erlebt. Vielleicht wird diese Region in Zukunft und durch den Klimawandel häufiger von längeren Trockenperioden, wie man sie bis vor 10 Jahren in diesem Ausmaß und auch in dieser Aneinanderreihung über die Jahre noch nicht kannte, getroffen bzw. heimgesucht. Die Niederschlagsmengen waren hier zwar schon immer geringer als im Allgäu, allerdings war die Region ursprünglich und bisher kein Wassermangelgebiet. Auch insofern denke ich, dass ich mit der Art meiner Anlagen hier in der Bodenseeregion richtig liege, denn selbst die S-Strategen haben es hier phasenweise schwer, sich zu etablieren – besonders eben auch an sonnenexponierten Steilhängen. Ich bin gespannt, was die Zukunft für diese Region bereithält – im Moment habe ich das deutliche Gefühl, dass wir ab April mit mediterranem Klima rechnen dürfen.

Part 4: Ansaat diverser kleinerer Nebenflächen im Parkplatz- und LKW-Rangierbereich, 2012
Sozusagen meine „einfachste Übung“ auf diesem Firmengelände bestand in der Ansaat einiger kleinerer Pflanzinseln im Bereich der LKW-Zufahrten und Wendebereiche des Logistikunternehmens für biologische Produkte. Hier wurde der Oberboden entfernt und statt dessen gebrochener Moränekies (Körnung 0-32) eingfüllt. Unter Zugabe geringster Mengen Gütegesichertem, feinen Grünkompost (Körnung 0-10) wurden fertige, autochthone Saatgutmischungen regionaltypischer Wildblumen, die sich für solch mageres Substrat eignen und entsprechend pflegeleicht sind, ausgebracht. Die verwendeten Mischungen waren gräserfrei. Hier genügt je nach ästhetischem Anspruch eine Saatgutmenge zwischen 1 bis 3 g auf den Quadratmeter Ansaatfläche. Die kleinen „Verkehrsinseln“ entwickelten sich seither sehr schön bunt und sind bis heute einschürig.

Herzlichen Dank für Ihr Interesse an meiner Arbeit
Maria Stark