Das besondere Firmengelände – Innenhof als beeindruckender Landschaftspark

Kurzporträt

Kontakt & Adresse:
Naturnaher Innenhof für das neue Verwaltungsgebäude der Kärcher SE & Co KG, 71364 Winnenden
Besichtigung auf Anfrage möglich:
Ja! Für neue Interessenten und Projektpartner sowie für Fachleute, nur nach Terminabsprache und nur in meiner Begleitung möglich.
Aufgabenstellung:
Neuplanung eines Innenhofs als Landschaftspark und artenreicher und bunter Naturgarten
Baujahr:
Planung 2014, Umsetzung/ Planung und Bau von März bis Juni 2014 (4 Monate!)
Größe:
1000 m2 (plus weitere 3000 m2 Nebenflächen rund um das Verwaltungsgebäude)
Besondere Merkmale: Absolut regional
Zertifiziert: Ja
Gebietsheimische Wildpflanzen, Auszug aus der Pflanzplanung:
Verwendung fanden mannigfaltige Gehölze, Klein- und Halbgehölze, Wildrosen und Naturnahe Gartenrosen, regionaltypische Wildstauden, Gräser und Farne und nicht zuletzt (und eben auch ganz besonders wichtig) tausende frühblühende Geophyten (6000 – 7000 Stück Wildblumenzwiebeln).Wildpflanzen soweit möglich Bioland-Gärtnerei Strickler, Alzey Wildblumen-Saatgut Hof-Berggarten, Herrischried, Syringa, Hilzingen und Rieger-Hofmann, Blaufelden
Das Schönste aus der Artenliste
Acer monspessulanum – Burgen-Ahorn, Französischer Ahorn
Chamaecytisus supinus – Kopf-Zwergginster
Colutea arborescens – Gewöhnlicher Blasenstrauch
Digitalis lutea – Gelber Fingerhut
Dictamnus albus – Diptam
Hedera helix arborescens – Altersform des Efeus (nicht rankend)
Helleborus foetidus – Stinkende Nieswurz
Inula salicina – Weidenblättriger Alant
Lamium orvala – Nesselkönig
Lilium martagon – Türkenbundlilie
Lithospermum purpurocaeroleum – Blauroter Steinsame
Melica ciliata – Wimper-Perlgras
Melica nutans – Nickendes Perlgras
Mespilus germanica – Echte Mispel
Polygonatum odorata – Salomonsiegel
Prunus fruticosa – Strauch-Kirsche
Quercus pubescens – Flaum-Eiche
Rhamnus saxatilis – Felsen-Kreuzdorn
Rosa arvensis – Kriech-Rose
Rosa pendulina – Alpen-Rose
Sorbus domestica – Speierling
Sorbus torminalis – Elsbeere
Staphylea pinnata – Gewöhnliche Pimpernuss
Thalictrum aquilegifolium – Akeleiblättrige Wiesenraute
Vincetoxicum hirundinaria – Weiße Schwalbenwurz
Pflanzplanung
Gehölze in vielen Arten sowie Klein- und Halbgehoöze, Wildstauden als differenzierte Staudenmischpflanzungen, inklusive regionaltypischer Raritäten
Außerdem: Gräser und Farne, Zwiebeln und Knollen (6000 – 7000 Stk.) Einzelsaaten in Arten

Planung und Ausführung:
Maria Stark
Naturgartenplanerin
Planungsbüro für ökologische Grünraumkonzepte
Bombenbreite 32
D – 88693 Deggenhausertal
Telefon: 00497555927265 und 004915141904250
www.naturgartenplanerin.bio
info@naturgartenplanerin.bio
www.facebook.com/naturnahe-gaerten
Fachbetrieb für Naturnahes Grün – Empfohlen von Bioland

 

Planung in Kooperation mit
Volker Kranz
Permakulturdesigner
Firma Baumrausch
Bremen
www.baumrausch.de

Projektbeschreibung und Konzept
Das Gesamtkonzept dieser naturnah geplanten Anlage greift die Besonderheiten des Naturraums um Winnenden herum auf und spiegelt deren Besonderheiten in gestalterischer Hinsicht sowie bezüglich der gebietsheimischen Vegetation wider. Für die Region in und um Winnenden sind trocken-warme Standorte samt ihrer vielfältigen Flora und den typischen scharfen Landschaftseinschnitten in Form von steilen Abbruchkanten kennzeichnend. Strukturreiche Böden runden diese eigentlich sogar für ganz Baden-Württemberg typischen Standorte ab (LFU Nr. 11 (2001)). Meine Pflanzplanung für den Innenhof basiert auf der Flora des Oberen Zipfelbachtals in Winnenden und der Vegetation des nicht allzu weit entfernten, besonders artenreichen Naturschutzgebietes Unteres Remstal.
Permakultur und Recycling: Dank eines glücklichen Umstands konnten wir von einer anderen nahegelegenen Großbaustelle den Löwenanteil des für den Schluchtenbau benötigten Natursteinmaterials recyceln. Weiteres Muschelkalk-Material wie Brücken- und Krustenplatten sowie Terrassenplatten und die ganz besonderen Großfelsen lieferten Steinbrüche. Diese Felsen, die ich tatsächlich eher per Zufall im Vorbeifahren, von wilden Brombeeren berankt und daher fast gänzlich verborgen, in einem kleinen Pappelwäldchen eines Steinbruchs entdeckt hatte, sind heute das Tüpfelchen auf dem i und bilden unter anderem einen schützenden Rahmen für die Terrasse der firmeneigenen Cafeteria. Als Basis der verwendeten Pflanzsubstrate diente mir der auf der Großbaustelle der Firma Kärcher in schier endlosen Mengen anfallende Rohboden (Aushub). Dieser wurde von mir in jeweils passenden Mengenanteilen mit Sand und Mineralgemisch und gegebenenfalls mit Ökohum-Substrat aufgemischt und an meine differenzierten Pflanzkonzepte angepasst. Das humose Pflanzsubstrat der Firma Ökohum aus Herbertingen wurde außerdem an den schattigsten, eher an einen Waldrand erinnernden Bereich des Innenhofs „pur“ eingesetzt. Gehölze größerer Qualitäten, Hochstämme und Solitärgewächse, lieferten verschiedene große Baumschulen. Alle Rosen, Kleingehölze, Farne, Gräser und Stauden kamen als echte Wild-Ware mit Herkunftsnachweis von der Bioland-Gärtnerei Strickler, genauso wie tausende Wildblumenzwiebeln, die im Herbst 2014 jahreszeitenbedingt nachträglich noch gesteckt wurden.
Die Pflanzplanung im Detail betrachtet gliedert sich je nach Sonnen- und Lichteinfall in mehrere verschiedene Bereiche, die beispielsweise einem Waldrand oder einer Streuobstwiese entsprechend in der Zusammensetzung bzw. bezüglich der typischen natürlichen Vergesellschaftungen ausgewählt wurden. Auch die Bereiche am Rand der Abbruchkanten, zwischen den Steinen, die den erodierenden Schichten in der Natur entsprechen sowie am Bodengrund der Schluchten wurden von mir jeweils passend geplant. Das trocken gefallene Bachbett ist ebenfalls ein eigener Bereich mit langgezogenen, extrem schmalen Pflanzungen. Auch für echte Raritäten eignet sich die Pflanzsituation im Innenhof – so zogen sogar zwei Flaumeichen (Quercus pubescens) in den Innenhof ein. Diese langsam wachsende, in der Natur stark bedrohte Eichenart darf sich hier im lichten Schatten dreier Ebereschen (Sorbus aucuparia), die für sie hier sozusagen als „Ammen“ fungieren, in aller Ruhe entwickeln. Es finden sich beim Rundgang des Weiteren Speierling (Sorbus domestica) und wärmeliebende Bäume wie Elsbeere (Sorbus torminalis, Baum des Jahres 2012) und Burgen-Ahorn (Acer monspessulanum) sowie Echte Mispel (Mespilus germanica) und Blasenstrauch (Colutea arborescens) für die Holzbienen. Die für jede Variante der gegebenen Licht- und Standortbedingungen des Firmengeländes spezifisch ausgeklügelte Pflanzplanung und die jeweils dafür eigens aus Lehm (toniger Aushub, Rohboden des ehemaligen Ziegeleigeländes), Sand und Steinen zusammengestellten Pflanzsubstrate, machten es möglich, dass trotz vieler extrem langer Trockenperioden in diesem trockenwarmen Weinbaugebiet – außer in der Anwachs- und Entwicklungsphase – bis heute nicht gewässert werden musste. Alle Bäume, auch die außerhalb des Innenhofs, gedeihen prächtig.
Mein ganzer Stolz: Am Ende der Baustellenzeit – wir waren sogar noch mit lauten Maschinen zu Gange – beglückte mich zur Krönung des Projekts ein Bachstelzen-Pärchen damit, dass es in den Innenhof einzog und sofort begann, dort zu brüten. Die Beiden brüten seither jedes Jahr dort und ziehen ihre Jungen auch komplett im Innenhof auf. Von Beginn an hatte es aus den Pflanzcontainern der Bioland-Gärtnerei ausreichend kleine Insekten für die Fütterung der Nestlinge gegeben! Das Einbringen des gesunden Substrats aus der Bioland-Gärtnerei glich einer Art Impfung der in den Innenhof eingebrachten Böden (Rohboden, Mineralgemische und Sand sowie ein biologisches Pflanzsubstrat der Firma Ökohum). 2016 stieß auch noch ein Amsel-Pärchen hinzu. Selbst Eidechsen – wohl mit Material und Maschinen nach innen geraten – sollen laut der Mitarbeiter im Innenhof gesichtet worden sein. Von Wildbienen und Tagfaltern natürlich ganz zu schweigen – sie finden den Weg von oben zu ihren jeweiligen Lieblingspflanzen!
Die Auftragserteilung erfolgte im März 2014 im Rahmen eines kleinen Architektenwettbewerbs. Zu den Zielvorgaben gehörte die Fertigstellung der Naturgartenanlage des Innenhofs bis Ende Mai 2014. Keine drei Monate für Planung und Umsetzung – das waren schon etwas sportliche Grundvoraussetzungen. Auch der für schwere Maschinen wie Bagger, Radlader und Raupe relativ schmale Raum erforderte eine besonders durchdach- te Logistik: Wir mussten uns beim gesamten Bau inklusive des Setzens der Großfelsen, des Schluchten- und Terrassenbaus und inklusive der Pflanzung der Großgehölze von
hinten nach vorne gleichmäßig durch den Innenhof in Richtung Fassadenöffnung vorarbeiten. Der 21.05.2014 war „Deadline“ – an diesem Tag wurde die Glasfassade des Verwaltungsgebäudes geschlossen – nun gab es kein Durchkommen mehr für schwere Maschinen. Alle restlichen Arbeiten waren nun feinste Handarbeit. Transporte aller weiteren noch benötigten Materialien sind nur noch per Schubkarre mit weichen Gummirädern möglich gewesen.
Mein Dank geht an dieser Stelle an alle Bauarbeiter und Gärtner – sie haben nicht nur Geduld, sondern auch echtes Interesse an meiner Arbeit bewiesen. Nicht unerwähnt lassen möchte ich an dieser Stelle aber auch, wie beeindruckend harmonisch die Zusammenarbeit zwischen Entscheider-Team/Vorstand, Planern und auch den ausführenden Organen wie „meinem Trupp“ der Straßenbaufirma Leonhard Weiss war.
Alle haben sich mit viel Freude und einer ordentlichen Portion Enthusiasmus auf viele ungewöhnliche Aspekte der Planung und den aufwändigen Bau der Schluchten eingelassen. Es gehört sicherlich eine gute Portion Mut und innere Freiheit dazu, sich auf ein solch außergewöhnliches Projekt einzulassen. Bis heute komme ich gerne an diesen besonderen Ort und darf mich jedes Mal neu über einen herzlichen Empfang freuen. Mein Dank geht somit betont auch an die Menschen in dieser schwäbischen Firma, die es wirklich ernst damit meinten, das Thema „Naturnahe Firmengelände“ als Vorreiter für viele andere Unternehmen so mustergültig und beispielhaft zu platzieren. Für die Zukunft wünsche ich mir noch viele Unternehmen mehr, die ihr Areal für artenreiche Naturgärten und Wildblumenwiesen zu Gunsten unserer wertvollen Fauna zur Verfügung stellen.
Jeder Quadratmeter zählt!

Literaturtipps & Links:
LFU Nr. 11 (2001), Biotope in Baden- Württemberg: Wälder, Gebüsche und Staudensäume trockenwarmer Standorte LUBW, ISSN 0945-2583
https://www4.lubw.baden-wuerttemberg.de
Staatliche Naturschutzverwaltung Baden-Württemberg: Naturschutzgebiet unteres Remstal (2001): https://rp.baden-wuerttemberg.de

Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihre Aufmerksamkeit!
Ihre Naturgartenplanerin Maria Stark

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